Die Wirtschaft sitzt

Gestern nun also der Wirtschaftstag unserer Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission. Aus wirtschaftlichen Gründen war ich nur am Morgen dabei. Bekanntlich arbeite ich ja mit meinen Händen, was heisst, dass ich persönlich für meine PatientInnen da sein muss und nicht wie die Herren links und rechts von mir auf dem Laptop während der Sitzung die Arbeit erledigen kann. Zur Frauenquote nur so viel: während die Kommission ihre Frauenquote voll erfüllt, waren die Referenten mit einer Ausnahme männlich. Wirtschafts- und Handelskammer, Wirtschaftsförderer etc. alles fest in Männerhand. Zur Frauenförderung kam ihnen dann auch nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Sinn. Als ob alle Frauen Familien hätten oder wollten. Dazu passte der letzte Freitag: die Diplome der Fachhochschule Nordwestschweiz in Chemie, Geomatik und Maschinenbau etc. gingen zu 90 % an Männer. Wollen wir Frauen wirklich nicht? Und wie vereinbaren all diese Männer Familie und Beruf (was natürlich kein Thema war)?

Bildung

Gestern war dann noch der Vortrag über die personalisierte Medizin (mehrere Vorträge eigentlich). Es ging um Pharmakogenetik. Sehr interessant, aber ohne Medizinstudium kaum zu verstehen (endlich zahlen sich meine zwei Jahre aus…). Es gibt neuerdings einen Chip, der es ermöglicht, eine Genvariante festzustellen, die Medikamente anders wirken lässt. Das ist die sehr vereinfachte Version. Für all diejenigen, die ganz anders auf Medikamente reagieren, als die meisten, ist das ein Meilenstein. Da es aber wenig Sinn macht, alle PatientInnen zuerst zu testen, wird man es erst anwenden, wenn es Probleme gibt. Also immer zuerst ihren Arzt/ihre Ärztin fragen…

100 % Erfolg

Heute wurden alle meine Anträge im Landrat genehmigt und alle meine Postulate überwiesen. Jipii! Freue mich, denn das kommt ziemlich selten vor. Es ging um ein Evaluationsprogramm für die Weiterbildung von Hausärztinnen, die Behandlungskette im Gesundheitsbereich als Standard und die zentrale Vermittlung von Ferienbetten/Notbetten für Betage. Jawoll, die Linkskurve ist voll in Fahrt. Jetzt fahre ich ganz locker an die Veranstaltung über die personalisierte Medizin.

Hausärztinnen und -ärzte

Die oben Genannten haben in Basel ein eigenes Institut, das die Förderung der Hausarztmedizin zum Ziel hat. Die Studierenden werden in speziellen Kursen über die Hausarztmedizin informiert. Nun möchte der Regierungsrat Baselland, dass Assistenzärztinnen – und ärzte in Hausarztpraxen weitergebildet werden und offeriert die Übernahme von 75 % des Lohnes (Vorlage im Landrat von Morgen). Ziemlich speziell, weil die Hausärzte die Leistungen der Assistenzärzte ja abrechnen können und diese ja keine Anfänger mehr sind, sondern „richtige“ Ärztinnen und Ärzte, die noch keinen FMH Titel haben. Im Oberbaselbiet soll gemäss Berechnungen des OBSAN (Gesundheitsobservatorium) in einigen Jahren ein Mangel an HÄ herrschen. Mir wären Gesundheitszentren eigentlich lieber. Von diesen wollte die Kommission aber nichts wissen. Nun versuche ich es eben morgen nochmals…

steiler Aufstieg

Endlich hab ich es geschafft: PD Dr. Pia Fankhauser steht auf dem Brief. So einen raschen Aufstieg habe ich dann doch nicht erwartet. Bei genauerem Betrachten fällt allerdings noch der „Herr Grossrat“ auf und auch die Strasse stimmt nicht. Dafür dann wieder Oberwil, wenn auch mit der falschen Postleitzahl. Würde mal sagen: technische Probleme. Gut tönt es trotzdem. Ist übrigens eine Einladung des Forums Gesundheit Schweiz. Nun weiss ich nicht, ob die wirklich mich meinen 😉

Frauenquote

Fordere in Zeiten von Finanzkrisen und für die Zukunft eine Frauenquote von mind. 40 % für alle Verwaltungsräte und Leitungsgremien grosser Firmen. Wir können mal bei den Banken anfangen und dann uns weiterarbeiten. Oder fällt euch auch auf, dass nur Männer über Finanzkrisen lamentieren, die sie zum grossen Teil selber verursacht haben?

Entspaaannen

Nicht nur Frauen, auch der König ist gestresst und verspannt, wahrscheinlich viele andere auch. Da ich ja unter dem Helferinnensyndrom nicht leide, aber diesem unterstehe, hier eine kleine Hilfe von der SUVA. Die Übungen sind wirklich zu empfehlen und da ja bekanntlich die werten Blogleserinnen und Blogleser vor einem Bildschirm sitzen, wäre etwas Ergonomie ganz gut.

Rund um die Uhr

Für meine Kaffeemaschine vom Typ „unökologisch aber sehr gut“ gibt es einen Kundenservice, der rund um die Uhr für sie und mich da ist. Da die Maschine seit einiger Zeit faucht wie ein Drache und Dampfwolken speit, also heute angerufen. Der Herr hat sich fast schon liebevoll bemüht herauszufinden, was ihr denn fehlt. Und nun kommts: die Maschine wird von der Post abgeholt, dafür gibts Ersatz und irgendwann wird sie gesund und munter wieder zu uns stossen. Ich finde dies fast schon lustig, aber es soll ja wirklich Menschen geben, die ohne Kaffee nicht können (hat mir die Prinzessin, die eine gute Tasse zu schätzen weiss, mitgeteilt). Offen gesagt: ich trinke am Morgen Incarom mit Milch. Aber das konnte ich dem netten Herrn nun wirklich nicht sagen.

Konflikte

Terminkonflikte sind etwas Unangenehmes, weil frau sich da entscheiden muss. Diesmal: Apéro anlässlich der Plenarsitzung der Eidg. Kommission für Frauenfragen in Liestal = Frau gegen Unihockeymatch des FC Landrat gegen die Wirtschaftskammer mit anschliessendem Essen = Sport. Beides hintereinander ist definitiv nicht zu schaffen. Hab zum Glück noch etwas Zeit zur Entscheidungsfindung.

Erziehungsbilanz

Heutzutage wird Eltern gerne vorgeworfen, so ziemlich alles mit ihren Kindern falsch gemacht zu haben. Zu verwöhnt, zu wenig Zeit mit ihnen verbracht, zu viel herumgefahren – es gibt viele Zus. Zeit für mich also, endlich mal zu schauen, wie meine Erziehungsbilanz betr. Prinzessin und Prinz Charming aussieht: ernüchternd würde ich mal sagen. Wobei: sie gehen (ungern zwar, aber trotzdem) zur Schule bzw. zur Arbeit, regelmässig, wie ich annehme. Gewalttätig sind sie seit der Primarschule nicht mehr, Drogen habe ich auch noch keine gefunden, wobei ich nicht weiss, ob ich sie erkennen würde. Sie können theoretisch mit Messer und Gabel essen, nur braucht man die bei Fertigpizzas nicht. Die stundenlangen Diskussionen um Mitarbeit im Haushalt muss ich wohl unter Kommunikationsfähigkeit positiv abbuchen. Bei der Chaostheorie arbeitet der Prinz an vorderster Front mit, was ich definitiv im Minus sehe. Auch die Nichtwürdigung meiner vitaminreichen, in meiner Mittagspause eilig zubereiteten Menüs fällt negativ auf. Allerdings nur mir. Die Erzogenen finden mich nur anstrengend. Und praktisch, nehme ich mal an.

gestresst

Neuerdings treffen sich in meiner Praxis, die eigentlich für geriatrische Patienten gedacht ist, zunehmend gestresste junge Frauen. Top ausgebildet, völlig verspannt und mit wenig Zeit. Das Einzige, das sie wollen – Entspannungsmassage. Gibts bei mir eigentlich nicht, auch keine heissen Steine oder Kräuterstempel. So bin ich nun mal. Dafür erkläre ich die Funktion von modernen Bürostühlen, empfehle das Velo und rate von Taschen ab, die man jahrelang an die (zumeist) rechte Schulter hängen kann. Es sind verschiedene Planeten.

Finanzkrise

Meine persönlichen Mittel gegen die Finanzkrise:
1. Velo statt Auto, ersetzt auch noch den Fitnessklub
2. Statt Sparkonto Saatkonto, Kartoffeln schaffen locker eine gute Rendite (1 Kartoffel ergibt ca. 6 neue – frau rechne!)
3. Als Weiterbildung werden nur noch praktische Kurse wie Schreinern, Stricken oder Kleider nähen gewählt. Einmachen und Dörren wären auch nicht schlecht.

Annova-Index

Der Annova-Index, geschaffen von der Santésuisse zur Kostendämpfung oder so, beschert mir jeweils gegen Ende Jahr freie Zeit in der Praxis. Da Physiotherapie zusammen mit den Medikamenten in den Index fällt und etliche Hausärzte sich vor Rückzahlungen an die Krankenkassen fürchten, werden die Verordnungen immer weniger. Nicht, dass wir mit unseren ca. 2 % an den Gesundheitskosten gross ins Gewicht fallen würden – es geht halt einfacher. So konnte ich mich heute ausgiebig mit dem Postangestellten (netter junger Mann) über die verschiedenen Arten des Päckliversandes nach Uster unterhalten. Express-, A- oder B-Post, von 17 bis 6 Franken. Da ich es am MORGEN aufgegeben habe, sollte es am Montag dort sein. Da fällt mir doch glatt wieder ein, dass die Post schon zigmal aufgeschlagen hat, wir aber immer noch auf dem Taxpunktwert von 1998 sitzen.