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Politblog von Pia Fankhauser

 

Fallzahlen, die

Dieser Artikel wurde am 20. Januar 2019 um 14:46 von Pia Fankhauser in der Kategorie Denk-Rad veröffentlicht und zuletzt am 20. Januar 2019 editiert.
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Seit Einführung des DRG (Diagnoses Related Groups)-Systems in den Spitälern in der Schweiz beschäftigen mich die Fallzahlen. 2012 wurden die Fallkostenpauschalen in der gesamten Schweiz zum Standard. Die Swiss DRG AG wies immer wieder darauf hin, dass es in Deutschland schon länger die Abrechnung nach DRG gebe und es darum kein besonders hohes Risiko darstelle, diese auch in der Schweizer Spitälern zu implementieren. Es war der Auftakt zur Ökonomisierung der Medizin. Und wie das nun so ist: eingeführt wird, abgeschafft nie.

Während sich neue Berufe entwickeln wie Codiererin und Decodierer, die zwar die Kosten in der Administration steigen lassen, direkt am Patienten aber nichts zu tun haben, werden händeringend medizinische Fachkräfte gesucht. Was, wenn es zwischen dem Fachkräftemangel und der Einführung der DRG einen Zusammenhang gäbe? Es mag ja erklärbar sein, dass es für spezialisierte Eingriffe Erfahrung und damit eine angemessene Anzahl gleichartiger Operation braucht. Für die Qualität ist eine bestimmt Fallzahl nötig. Wenn nun aber die Spitallisten nach Fallzahlen erstellt und damit Entschädigungen garantiert werden, gibt es einen „Bias“. Wie soll ich nun als Patientin je erfahren, ob ich nun genau die bin, die die Orthopädieabteilung mit meiner an sich unnötigen Knieoperation erhalte? Oder war sie wirklich medizinisch angezeigt?

Da die stationären Kosten nach oben und nicht nach unten gingen, wurden gewisse Behandlungen staatlich als „ambulant“ deklariert. Damit entlasten sich die Kantone und belasten damit das bereits jetzt teilweise überforderte ambulante System, das sich seit Jahren in Tarifdiskussionen befindet.

Wenn wir schon nach Deutschland schauen: aktuell ruft der Gesundheitsminister die Ärzte zurück. Es herrscht prekärer Pflegenotstand. Es werden Patienten operiert, die es nicht brauchen. Siehe dazu diesen Bericht https://presse.wdr.de/plounge/tv/das_erste/2017/06/20170619_operieren_und_kassieren.html

In der Schweiz hat die FMH hat ziel- bzw. mengenbezogene Boni für Spitalärztinnen in einem Positionspapier https://www.fmh.ch/files/pdf14/Boni_-_die_Position_der_FMH_SAEZ_2013_51-522.pdf bereits 2013 kritisch thematisiert. Noch ist dies in vielen Kantonen nicht in die Anforderungen für die Spitalliste eingeflossen.

Es bleibt noch viel zu tun.

 

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