Politik zur Unterhaltung

Im E-Mail-Zeitalter habe ich eines gelernt: zuerst beginnt man/frau mit einem Dank oder sonst etwas Freundlichem. Ein E-Mail wird schnell als aggressiv empfunden und entsprechend erfolgen dann die Reaktionen. Nicht nur, dass jedes Ausrufezeichen ein Anbrüllen bedeutet – mittlerweile schreibe ich jedes Mail x-mal um, weil es gerne anders interpretiert wird, als ich es gemeint habe. Telefonisch ginge manchmal schneller, aber die Interpretation des Gesagten fällt ab und an auch unterschiedlich aus. Das E-Mail hat da schon mehr Beweiskraft, was die politische Landschaft durchaus prägt.

Zu Beginn also eine kleine Liebeserklärung (für die Basler Zeitung: nein, nicht an einen schönen Landrat), sondern eine an die Kraft der Sprache, die Rektor Loprieno so wundervoll einsetzen kann. Zum ersten Mal konnte ich am Dies Academicus der Universität Basel teilnehmen und durfte also den spannenden Krimi mit all seinen Bezügen zur Universität hören. Ein Erlebnis erster Güte in Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Zum Schluss noch etwas Latein. Ach ja, schön wars.

Wenn wir im Baselbieter Landrat nur etwas von dieser Sprachkraft hätten! Am Donnerstag ging es um unsere historische Stätte Augusta Raurica und einen diesbezüglichen Projektierungskredit. Da wurden allerhand Argumente dagegen angeführt und auch kurzerhand die Archäologie an sich ins Lächerliche gezogen. Warum erschloss sich mir nicht. Nach langer Diskussion wurde dann der Kredit doch noch genehmigt. Ich bin sicher, hätte die Vorlage Campus Archäologie geheissen, wäre die Diskussion ganz anders verlaufen. Wenn es aber nur um Verwaltungsgebäude und Lagerstätte für alte Steine geht (Originalton), gibt es keine Euphorie. Momentan ist keine wirkliche Begeisterung für irgend etwas zu spüren.

Damit Politik nicht vollends zum Spassprogramm für Journalisten mutiert, habe ich mich auch nicht an der Umfrage der Basler Zeitung beteiligt, die die Frauen im Landrat aufforderte, doch die schönsten Landräte zu benennen. Sei doch ein Spass! Ja, so lustig. Dann werden wir wieder durch den Kakao gezogen, wenn wir einen Vorstoss einreichen. Da Herr Stückelberger bereits von einer Zeitung zum schönsten Landrat gekürt wurde, muss ich mich dazu nicht mehr äussern. Bin aber wirklich froh, dass wir keine anderen Probleme haben. Am besten machen wir schon jetzt ein Casting für die nächsten Wahlen, damit die Ästhetik nicht zu kurz kommt. Es soll ihr ja nicht so gehen wie der Sprache…

Autor: Pia Fankhauser

Nicht nur links denkend. Menschen, Politik, Medizin, Technik und das Leben beschäftigen mich.

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