Managed care und integrierte Versorgung

Auf dem Weg zu den Grauen Panthern in Basel. Halte ein Referat zu „Managed Care: Wirkungen und Nebenwirkungen“. Gleichzeitig erhielt ich heute „Statements“, die sich unter anderem auch mit dieser Vorlage beschäftigt. Nachdem das Referendum zu Managed Care in Rekordzeit zu Stande gekommen ist, wird am 17. Juni 2012 darüber abgestimmt. Damit es nochmals festgehalten ist: Managed Care ist nicht dasselbe wie Integrierte Versorgung! Managed Care ist die ökonomische Steuerung von Modellen wie z.B. der Integrierten Versorgung. Immerhin schafft es die Integrierte Versorgung damit ins KVG, das wars dann aber auch schon. Bin gespannt auf die Diskussion und die Fragen der Grauen Panther und danke schon einmal für die Gelegenheit. Physiotherapie ist traditionell Teil der Integrierten Versorgung, behandeln wir doch auf ärztliche Verordnung in Zusammenarbeit mit der Ärztin/dem Arzt und schreiben Berichte (übrigens gratis, weil nicht vorgesehen). Kann also ziemlich genau definieren, was funktioniert und was nicht.

Autor: Pia Fankhauser

Nicht nur links denkend. Menschen, Politik, Medizin, Technik und das Leben beschäftigen mich.

6 Gedanken zu „Managed care und integrierte Versorgung“

  1. Die Grauen Panther haben es verstanden: sie lehnen einstimmig die Vorlage Managed Care ab!
    Danke für den interessanten Vortrag.

  2. Integrierte Versorgung IST nur ein deutsches Wort für Managed Care!
    http://www.santesuisse.ch/datasheets/files/201008301102494.pdf

    Die Managed Care-Lobby sagt das ganz offen, übrigens auch der Bundesrat, benennt beide Begriffe als identisch. Bei Managed Care/Integrierte Versorgung/Parcours des soins coordonnés geht es stets um das Gleiche: Einschränkung oder Abschaffung der freien Arztwahl durch Gatekeeping, Budgetverantwortung, Rationierung, Aufhebung des Patientengeheimnisses. Und immer versteckt hinter hohlen Parolen, wie „Qualität, Effizienz, Vernetzung usw.“

    Am Ende profitieren die grossen Krankenversicherer. Wir sollten also nicht auf die aus den USA bekannte Masche der Managed Care-Lobby hereinfallen, ihre Geldinteressen hinter immer neuen und stets schick klingenden Worthülsen zu verstecken (dort nennt man das „false labeling and false advertising of Managed Care“), sondern die „Integrierte Versorgung“ als das benennen, was sie in Wirklichkeit ist: Managed Care auf neudeutsch.

    1. http://www.socialinfo.ch/cgi-bin/dicopossode/show.cfm?id=394
      Beziehe mich eher nicht auf sheets von santésuisse… Es ist korrekt, dass die Begriffe meist synonym genutzt werden. Trotzdem versuche ich in meinen Referaten die Begriffe auseinanderzuhalten. Integrierte Versorgung ist Managed Care minus Geld. Integrierte Versorgung in meinem Berufsalltag ist die Vernetzung mit anderen Berufsgruppen zum Wohle des Patienten. Beispielsweise mit der Spitex, die die Beine einbindet, die ich behandelt habe. Wir sind untereinander nicht von Geld gesteuert, allerdings vom Arzt abhängig, der die Leistungen verordnet. Im Idealfall will dieser das Wohle des Patienten. Nun kommt aber Managed Care oder auch Wirtschaftlichkeitsprüfung ins Spiel und der Anova-Index. Dann kommt die Rationierung etc.
      Ich denke, wir sind derselben Meinung. Für eine gute medizinische Versorgung müssen wir uns vernetzen. Interessanterweise sind die Prämien immer gestiegen, je mehr gesteuert wurde…

      1. Wie Sie sehr richtig bemerken besteht das wirkliche Problem die Prämienexplosion der Versicherungsbeiträge. Der prozentualen Anstieg der Schweizer Gesundheitskosten liegt deutlich unter dem der gesteuerten Versorgung der flächendeckenden ausländischen integrierten Versorgungssysteme. Auch die „Doppelspurigkeiten“ gibt es bei uns kaum. Im internationalen Vergleich gehen SchweizerInnen sehr wenig zum Arzt.

        Es ist aber zugegebenermassen nicht immer einfach, die für Managed Care typische betrügerischer Sprache und irreführenden Werbebotschaften zu durchschauen. Die synonyme Verwendung der Begriffe „Integrierte Versorgung“ und „Managed Care“ sind so ein Beispiel und das direkt aus dem Bundeshaus.

        http://tinyurl.com/84jeonm

        Der erfolgreiche Ersatz des belasteten Begriffs „Managed-Care“ mit der harmloser und nett klingenden „Integrierten Versorgung“ ist ein wirklich gelungener Werbetrick, der die PatientInnen hinters Licht führt. Auch wenn Sie persönlich unter integrierter Versorgung etwas anderes, nämlich ein nichtökonomisches Modell verstehen, bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch „Integrierte Versorgung“ nunmal „Managed Care“. Wir müssen aufpassen, dieser Sprachverwirrung nicht noch Vorschub zu leisten…

        Ähnlich verhält es sich beim Managed-Care-Schlagwort „Vernetzung“. „Vernetzung“ wird von den Versicherungen immer dann ins Feld geführt, wenn es um Gatekeeping und die Aufweichung der persönlichen Schweigepflicht geht. In vielen grossen Spitälern werden dank „optimierter und effizienter digitaler Vernetzung“ schon heute vertrauliche Privatdaten – Geschlechtskrankeiten, psychische Probleme, Drogengebrauch – unter einem grossen, kaum kontrollierbaren Personenkreis ausgetauscht. Zu diesen und anderen unethischen Managed Care Praktiken gibt es den informativen amerikanischen Artikel „Eleven Unethical Managed Care Practices Every Patient Should Know About“, der auf facebook ins Deutsche übersetzt wurde:

        http://tinyurl.com/75wyocy

        Was ist Ihre Meinung zum „Gatekeeping“, d.h. die Abschaffung der freien Arztwahl?

        1. Ja, das schöne Wort „gatekeeping“, das Tor zur Gesundheit. Ich trete für die freie Arzt- und Therapeutenwahl ein. Es tat der Entwicklung noch nie gut, wenn die Auswahl eingeschränkt wird. Schliesslich soll die Qualität entscheiden, nichts Anderes. Interessanterweise wurde ja die neue Spitalfinanzierung mit der freien Spitalwahl schmackhaft gemacht…Dringend benötigt werden aber „Lotsen“ durch das medizinische System. Meine Patienten sind mit all den widersprüchlichen Informationen überfordert. Ihre Idee dazu?

  3. Sind diese „Lotsen“ nicht nur wieder ein neues Wort für „Gatekeeper“. Ich finde diese Idee, den direkten Zugang der Patienten zum Arzt durch eine bezahlte Drittperson zu steuern sehr bedenklich, weil dieses System extrem korruptionsanfällig ist. Stichwort Kickbacks, d.h. versteckte Zahlungen für den Lotsen/Gatekeeper, der die Patienten dann in die entsprechende Behandlung lotst oder sie von einer für die Versicherung teuren Behandlung fernhält.

    Heute informieren sich doch die meisten Leute selbst im Internet, es sind mündige Menschen und wir sollten nicht zurück in alte Zeiten fallen, in der Halbgötter in Weiss, oder heutzutage Gatekeeper eigenmächtig entscheiden, was gut für die Patienten ist…

    Aber, kennen Sie schon die facebookseite „Nein zur Zweiklassenmedizin – Non à la médecine à deux vitesses“? http://tinyurl.com/7zr6x4u

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